Jahresbericht 2017 des Präsidiums

 Liebe Vereinsmitglieder,

„Der Verein Aquaria St. Gallen bezweckt die Pflege der Aquarienkunde und deren Verbreitung….“ Seit 1953 gibt es diesen Verein und es ist gut, dass er noch nicht in Pension geht.
Die Anforderungen an die Haltung von Zierfischen aller Art werden immer anspruchsvoller. Ob dies auf Grund wissenschaftlicher Erkenntnisse oder politischen Diskussionen geschieht sei dahingestellt. Tatsache ist, dass die Sensibilität zur „artgerechten“ Haltung von Haustieren zugenommen hat.

Das Jahr 2017 war diesbezüglich ein sehr intensives Jahr. Blicken wir also zurück auf die Aktivitäten die zur „artgerechteren“ Haltung unserer Pfleglinge führten.


Praktischer Abend

 

Wurzelbepflanzung

Schon im Februar konnten unter fachkundiger Anleitung praktische Gegenstände für eine artgerechte Zierfischhaltung geschaffen werden. Laichröhren aus Ton, Laichbecken aus
Glas und Wurzelbepflanzungen wurden hergestellt. Die Anwesenden konnten am Schluss des Abends stolz auf Ihre selbst gefertigten Stücke schauen. Dazu tauschte man auch hilfreiche Tipps untereinander aus.
 

Basiskurs

Am 11. Februar fand in den Räumlichkeiten der Kantonsschule St. Gallen ein neu geschaffener Basiskurs für Zierfischhaltung statt. Unter dem Patronat des SDAT und der Kompanima (Tierschutz Kompetenzzentrum Schweiz) konnten über 15 Teilnehmer begrüsst werden. Nebst den bewährten Referenten aus dem SDAT berichtete auch Frau Dr. Claudia Kistler von Ihren Erfahrungen als Verhaltensbiologin. Mit der Webseite fischwissen.ch steht eine Plattform zur Verfügung, die das Verständnis für die Bedürfnisse von Zierfischen vertieft und als Scharnier zwischen Wissenschaft und Praxis dient. 

Bedrohung durch Invasoren

Wenn Franz-Peter Müllenholz über Australien einen Vortrag hält, wird einem bewusst, dass mit dem Aussetzen von nicht heimischen Tierarten ein ganzer Kontinent Probleme bekommt. Das dies auch in gewissen Gegenden in Europa passiert ist kein Geheimnis. Diese Tatsache befeuert sicher auch die Diskussion rund um die Zierfischhaltung. Sorgen wir mit unserem korrekten Verhalten dafür, dass kein zusätzliches Öl ins Feuer gegossen wird! 

Ausstellung im Säntispark

Wie richte ich ein Aquarium ein

Die dritte Ausstellung im Säntispark ermöglichte es uns wiederum den Verein Aquaria St. Gallen in der Öffentlichkeit zu präsentieren. In 11 unterschiedliche Becken wurde ein kleiner Ausschnitt der bunten Vielfalt gezeigt.  Die schönen, artgerecht eingerichteten Aquarien überzeugten auch Frau Dr. Gabriela Calzavara vom kantonalen Veterinäramt. Mit einer Broschüre, verschiedenen Aktivitäten am Mittwoch und übers Wochenende sowie einem Wettbewerb wurde beim Publikum die Faszination des Aquariums geweckt. Durch die gute Betreuung vor Ort konnten auch viele Fragen geklärt werden. Mit einem vereinsinternen Apéro feierte man den Start. Anschliessend präsentierten die Aussteller ihre Unterwasserwelten in Kurzvorträgen. Herzlichen Dank den zahlreichen Helferinnen und Helfern. Dieses Mal konnte die Ausstellung zügig auf- und abgebaut werden.  

Meerwasserbecken von Urs Tinner

Botanischer Garten

Als Ersatz für den ausgefallenen Vortrag von Pascal Sewer besuchten wir im Juni den botanischen Garten. Unter dem Thema: „abgeschaut & nachgebaut – Natur beflügelt Technik“ wurden wir von Frau Corina Schelling durch das Freiland und Tropenhaus geführt. Um sich in ihrer Umwelt behaupten zu können, müssen die Pflanzen viele Probleme lösen. Sie machen dies oft so genial, dass sie den Menschen als Vorbilder für die Technik dienen können. Frau Schelling stellte uns Pflanzen vor, die verschiedenste Schwimmtechniken, Klettverschlüsse, Wellblech, Pfahlbauten und vieles mehr schon erfunden hatten, bevor es Menschen gab. 

Ausflug in den Walderlebnisraum Gais/AR

Insektenforscher André Mégroz (rechts)

Um unsere Fische „artgerecht“ zu füttern braucht es oft auch lebende Futtertiere. Diese kommen in der Natur als Kleinstlebewesen vor. Bei einem Waldspaziergang zum Thema Mücken und andere Insekten lud uns André Mégroz zum Staunen ein. Innert kurzer Zeit begegneten uns die unterschiedlichsten Insekten. Mit den mitgebrachten Fanggeräten und Behältnissen konnten die einzelnen Tiere aus der Nähe betrachtet werden. Mit vielen erstaunlichen Eindrücken kehrten wir zum überdachten Platz zurück. Dort genossen wir die offerierten Grilladen und verweilten, trotz zeitweises feuchter Witterung, bis zum Eindunkeln. 


Helferessen im Rest. Rechberg in Herisau

Was für ein atemberaubender Ausblick auf den Säntis………….schön wäre es gewesen. Doch das nasse und kalte Wetter trübte die Stimmung unter den rund 30 Helferinnen und Helfern überhaupt nicht. Schon beim Apéro herrschte eine lockere Stimmung und das Angus-Gulasch schmeckte herrlich. Der herzliche Dank gilt für die geleistete Arbeit im letzten Jahr, sei es als Beckenbetreuer, Ausstellungs- und Börsenhelfer, Aquariengestalter im Säntispark, freiwillige Helfer und Gewählte, Delegierte oder Vorstandsmitglieder.

Vorträge von Pascal Sewer und Fredy Waser

Sie handelten von unterschiedlichen Zuchtmethoden aus Israel und Tschechien. Dort werden zum Teil in Grosszüchtereien Zierfische für den internationalen Handel gezüchtet. Fredy Waser reiste schon oft nach Tschechien und hat sich die Kniffe der Züchter angeschaut. Ganze Familien leben dort zum Teil von der Zierfischzucht. Es ist manchmal kaum zu glauben, mit welchen einfachen und teilweise sehr improvisierten Methoden positive Zuchterfolge realisiert werden. In Israel werden Zierfische in recht professionellen Züchtereien gezogen. Pascal Sewer zeigte uns mit eindrücklichen Bildern wie gezielt die Züchter vorgehen. Meistens werden nur wenige Arten, dafür in grossen Mengen gezüchtet. Die Qualität der Jungtiere ist den Züchtern wichtig, gelangen diese doch in die ganze Welt. 

Herbstbörse

Ausstellungsvorbereitung

Die 41. Aquarien- und Pflanzenbörse wurde wiederum im Foyer der Gewerbeschule im Riethüsli, unter der bewährten Leitung von Börsenchef Matthias Brühlmann, erfolgreich durchgeführt. Unter dem Eindruck der Vorträge aus Israel und Tschechien, muten die Zuchterfolge der „einheimischen“ Züchter geradezu bescheiden an.

Die 18 Aussteller boten über 150 unterschiedliche Zierfische und Aquarienpflanzen zum Verkauf an. Den Ausstellern und den Helferinnen und Helfern wurde auch dieses Jahr ein kleiner Apéro serviert. Sehr interessiert zeigte sich der Leiter der Abteilung Tierschutz des Kantons St. Gallen, Herr Dr. Thomas Christen. Zusammen mit unserem Börsenchef nahm er die Zeit, sich von den Ausstellern über Ihr Angebot informieren zu lassen. Dieses Jahr wurde dank Michael Näf die Börse wieder einmal im St. Galler Tagblatt erwähnt. Der grosse Aufwand für die Börse kann auch hier nur mit unseren vielen aktiven und freiwilligen Helfern bewältigt werden.  Ein spezieller Dank geht an das „Börsenbeizli-Team“. Mit Wienerli, Kuchen und Kaffee trägt es wesentlich zur guten Stimmung und einem positiven Tagesabschluss bei.

 

Wildformen von Lebendgebärenden

Beim letzten Vortrag im November tauchten wir mit Peter Uhlmann in die Welt der Lebendgebärenden Zahnkarpfen ab. Er beschränkte sich dabei auf 5 Wildformen der Goodeiden aus dem mexikanischen Hochland und 7 Wildformen der Poeciliiden. Die Vielfalt der Wildformen machen diese Tiere sehr spannend. Dass diese Wildformen für „Normal-Aquarianer“ nicht so interessant sind liegt wahrscheinlich an ihrer „Unfarbigkeit“. Peter‘s Botschaft am Ende des Vortrages lautete denn auch:
„….es muss nicht immer „Farbe“ sein!“

Was noch zu erwähnen ist

Züchterhock bei Max

Im vergangen Vereinsjahr traf man sich zu 6 Hocks im Rest. Hirschen und 4 Vorträgen im Naturmuseum und 9 Züchterhocks bei Max Schwalm. Die Beteiligung an diesen Veranstaltungen war sehr unterschiedlich. Das gilt auch für die Fachbibliothek, die ein verwaistes Dasein frönt. Die immer grösser werdenden Herausforderungen in Beruf, die Informationsflut über die digitalen Medien und die sich immer „schneller drehende Welt“ gehen nicht spurlos an uns vorüber. Dazu kommt meist ein gewisser Hang zur Perfektion. Der Verein wird dieses Jahr 65 Jahre alt. Grund genug zur Entschleunigung und zur Fokussierung auf das Wesentliche.  

„Der Verein Aquaria St. Gallen bezweckt …….  durch Diskussionanlässe, Vorträge, Exkursionen, Fachbibliothek, Ausstellungen, Zierfisch- und Pflanzenbörsen.“

Arbeiten wir gemeinsam daran den Zweck unseres Vereins bewusst zu leben, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen, ganz nach dem Motto: „Weniger ist Mehr“

Zum Wohle unserer artgerecht gehaltenen Pfleglinge und uns selber. 

Wir wünschen allen ein gesundes, glückliches und erfolgreiches 2018.  

Präsidium (Foto: B. Manser)

 


Das Präsidium
Käthi und Christoph Wüthrich-Höhener





Fotos von:
Benjamin Manser, Röbi Guggenbühl, Christoph Wüthrich